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Unterstützung und Widerstand

Kurz erklärt

Horizontale Preiszonen wie Unterstützung und Widerstand gehören zu den wichtigsten Werkzeugen der technischen Analyse. Sie markieren Niveaus, an denen historisch starker Kauf- oder Verkaufsdruck auftrat. Ein Abprall an diesen Zonen bestätigt den bestehenden Trend, während ein Ausbruch oft der Startschuss für eine starke neue Bewegung und ein neues Preisniveau ist.

Was sind Unterstützungen und Widerstände?

Unterstützung und Widerstand (im Englischen Support und Resistance) sind fundamentale Konzepte der technischen Analyse, die horizontale Preiszonen im Chart identifizieren, an denen der Kurs in der Vergangenheit wiederholt reagiert hat. Diese Bereiche entstehen nicht zufällig, sondern spiegeln die kollektive Psychologie und das Verhalten aller Marktteilnehmer wider, die an diesen Preisniveaus massiv Aufträge platzieren.

Eine Unterstützung (Support) ist eine Preiszone unterhalb des aktuellen Kurses, an der in der Vergangenheit ein so hohes Kaufinteresse bestand, dass ein fallender Kurs gestoppt und wieder nach oben gedreht wurde. Man kann sich diese Zone wie einen Boden vorstellen, der den Preis abstützt. Wenn der Preis fällt und sich einer Unterstützungslinie nähert, betreten immer mehr Käufer den Markt, da sie das Asset auf diesem Niveau als unterbewertet oder als gute Gelegenheit betrachten. Gleichzeitig schließen Leerverkäufer ihre Positionen, um Gewinne mitzunehmen, was zusätzlichen Kaufdruck erzeugt.

Ein Widerstand (Resistance) ist das genaue Gegenteil. Es handelt sich um eine Preiszone oberhalb des aktuellen Kurses, an der in der Vergangenheit starker Verkaufsdruck herrschte. Hier überstieg das Angebot die Nachfrage bei Weitem, wodurch ein steigender Kurs gebremst und nach unten abgewiesen wurde. Diese Zone wirkt wie eine Decke, an der der Preis anstößt. Sobald sich der Kurs einem Widerstand nähert, sichern sich Investoren ihre Gewinne und verkaufen ihre Anteile. Gleichzeitig erkennen Spekulanten die Überbewertung und eröffnen Short-Positionen.

Es ist extrem wichtig zu verstehen, dass diese Zonen in der Praxis fast nie exakte mathematische Linien sind, sondern vielmehr ausgedehnte Preisbereiche. Märkte sind volatil, und der Kurs kann leicht über eine Linie hinausschießen (sogenannte Dochte oder Wicks), bevor er dreht. Oft entstehen solche Zonen an runden Zahlen (wie 1,1000 im EUR/USD), an früheren signifikanten lokalen Hochs oder Tiefs oder an sogenannten Konsolidierungszonen, in denen der Kurs über einen längeren Zeitraum seitwärts verlief, bevor ein Ausbruch stattfand. Je öfter eine Zone getestet und bestätigt wird, desto stärker prägt sie sich in das Gedächtnis der Händler ein.

Warum sind diese Zonen wichtig?

Unterstützungen und Widerstände visualisieren auf unbestechliche Weise die Psychologie der Marktteilnehmer. Sie entstehen, weil sich Trader, Algorithmen, Banken und institutionelle Anleger an historische Preisniveaus erinnern und ihre automatisierten Handelssysteme entsprechend programmieren. Wenn der Kurs nach einem langen Rückgang wieder eine bekannte Unterstützung erreicht, greifen Käufer ein, da sie das Niveau als historisch verbrieft betrachten. Verkäufer, die zuvor Leerverkäufe getätigt haben, nutzen exakt diese Zone, um ihre Positionen glattzustellen.

Ein Bruch einer solchen Zone ist folglich oft ein bedeutendes und hochgradig richtungsweisendes Ereignis. Wird ein massiver Widerstand nach oben durchbrochen (ein sogenannter Breakout), zeigt dies, dass der bisherige Verkaufsdruck nicht mehr ausreicht, um die bullische Energie der Käufer aufzuhalten. Das psychologische Gleichgewicht kippt drastisch. Häufig wechselt dann die Funktion der Zone: Ein durchbrochener Widerstand wird bei einem späteren Rücksetzer oft zu einer neuen, verlässlichen Unterstützung. Ebenso wird eine hartnäckige, aber letztlich durchbrochene Unterstützung in vielen Fällen zu einem massiven neuen Widerstand, an dem zukünftige Erholungsversuche scheitern.

Für Händler auf der ganzen Welt sind diese horizontalen Zonen essenzielle Anlaufpunkte zur Risikoplanung, da sie klare, objektive Marken für Einstiege und für die logische Platzierung von Stop-Loss-Orders bieten. Ohne das Wissen um diese Bereiche würde das Trading einem Blindflug gleichen, bei dem das Risiko-Management nur auf reiner Willkür basiert. Mit Unterstützungen und Widerständen hingegen lassen sich Trades präzise planen, das Risiko begrenzen und realistische Zielzonen für die Gewinnmitnahme definieren. Jeder professionelle Händler integriert diese Konzepte in sein tägliches Handwerk, unabhängig davon, ob er Forex, Krypto oder Aktien handelt.

Wie FinScans Unterstützung und Widerstand meldet

FinScans meldet an horizontalen Zonen zwei Auslöser: „Support Level Retreat Up“, wenn der Kurs an eine Unterstützung heranläuft und nach oben abdreht, und „Resistance Level Retreat Down“, wenn er an einem Widerstand nach unten abdreht. Einen eigenen Ausbruchs-Auslöser für horizontale Zonen gibt es bei FinScans nicht.

Wie FinScans Linien-Auslöser einordnet

Bei Auslösern an Trendlinien, Unterstützungen und Widerständen, Fibonacci-Stufen und Chartmustern zeigt die Signalseite eine Klasse. Sie beschreibt, wie der Auslöser in den letzten Kerzen zustande kam, und ist enger gefasst als die gleichnamigen Lehrbuchbegriffe. Indikatoren haben keine Klasse.

KlasseBedeutung bei FinScans
break + retestDie vorige Kerze hat die Linie gekreuzt, die nächste hat den Bruch bestätigt: zwei Kerzen direkt hintereinander. Nicht der klassische Retest, bei dem der Kurs Tage später an die gebrochene Linie zurückkehrt.
continuationDer Kurs war schon jenseits der Linie und ist weitergelaufen, ohne sie erneut zu berühren. Kein Abpraller: Ein Abpraller an der Linie heißt in den Signalen „Retreat“.
state onlyDer Schlusskurs liegt einfach jenseits der Linie, ohne Interaktion mit ihr in den letzten Kerzen.
Der Kurs prallt zweimal an der Unterstützung bei 100 und am Widerstand bei 110 ab, bevor er nach oben ausbricht und den alten Widerstand hinter sich lässt.UnterstützungWiderstandAusbruch4. Apr7. Apr10. Apr13. Apr16. Apr19. Apr22. Apr25. Apr115.50100.00102.50105.00107.50110.00112.50117.50
Der Kurs prallt zweimal an der Unterstützung bei 100 und am Widerstand bei 110 ab, bevor er nach oben ausbricht und den alten Widerstand hinter sich lässt.

Unterstützung und Widerstand in den vier Trading-Stilen

Horizontale Zonen spielen in allen Trading-Stilen eine wichtige, strukturgebende Rolle, unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Bedeutung, ihrer Stabilität und ihrer Handelsbarkeit je nach der gewählten Zeitebene.

Zonen beim Scalping

Beim Scalping auf dem 15-Minuten- oder 30-Minuten-Chart (15m, 30m) agiert der Händler in einem extrem dynamischen und nervösen Marktumfeld. Auf diesen niedrigen Zeitebenen entstehen Widerstände und Unterstützungen buchstäblich im Minutentakt und werden ebenso schnell wieder durchbrochen. Scalper nutzen diese flüchtigen, oft nur kurzlebigen Zonen für sehr schnelle, kleine Gewinne, indem sie winzige Ineffizienzen im Orderbuch ausnutzen. Die Zonen sind hier allerdings naturgemäß sehr fragil und extrem anfällig für minimale Volatilitätsspitzen, das sogenannte Marktrauschen. Ein plötzlicher Orderfluss, ausgelöst durch eine einzige große Bank oder einen institutionellen Algorithmus, kann eine solche Zone sofort pulverisieren. Dies erfordert extrem enge Stops, blitzschnelle Reaktionen und eine eiserne Disziplin. Die Stops werden häufig ausgelöst (ausgestoppt), was durch die hohe Frequenz der Trades ausgeglichen werden muss. Scalper halten ihre Positionen in der Regel für wenige Minuten bis einige Stunden und vermeiden es rigoros, Trades über Nacht oder gar über das Wochenende offen zu halten. Dadurch entfällt das Risiko von Overnight-Gaps, aber der ständige Fokus auf den Bildschirm erfordert höchste mentale Belastbarkeit. Die Analyse von horizontalen Zonen beim Scalping konzentriert sich oft auf die absoluten Tageshochs und Tagestiefs der laufenden Sitzung, die als kurzfristige Magneten für den Preis wirken.

Zonen im Daytrading

Daytrader operieren primär auf dem 1-Stunden- und 2-Stunden-Chart (1h, 2h). In diesem Umfeld sind die horizontalen Unterstützungs- und Widerstandszonen deutlich robuster, verlässlicher und weniger anfällig für das bloße Zufallsrauschen des Marktes als beim Scalping. Sie entstehen oft aus den prägnanten Hochs und Tiefs des Vortages, aus den Extrempunkten der asiatischen oder europäischen Session oder aus markanten Konsolidierungsphasen, in denen sich viel Liquidität angestaut hat. Daytrader suchen gezielt und geduldig nach dem sauberen Abprall (Bounce) oder dem impulsiven Ausbruch (Breakout) an diesen etablierten Tagesmarken. Sie warten auf die Bestätigung durch den Kerzenschluss auf dem Stundenchart, bevor sie aktiv werden, was viele Fehlausbrüche (Fakeouts) herausfiltert. Die Haltezeit eines Trades beschränkt sich auf wenige Stunden, in der Regel wird die Position vor dem Ende der New Yorker Handelssitzung geschlossen. Dadurch entsteht auch hier kein Übernacht-Risiko, und der Händler kann den nächsten Tag unbelastet beginnen. Ein typischer Daytrade an einem Widerstand könnte darin bestehen, nach einem bestätigten Abpraller am Tageshoch eine Short-Position zu eröffnen, mit dem Ziel, den Kurs bis zur Mitte der Tagesspanne oder gar bis zur Unterstützung am Tagestief zu reiten. Das Risiko-Management ist klar definiert, da der Stop-Loss knapp über das Tageshoch gelegt werden kann, was ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis bietet.

Zonen im Swing-Trading

Das Swing-Trading verlagert den Fokus auf den 4-Stunden- und 8-Stunden-Chart (4h, 8h). Hier orientiert sich der Trader an massiven, strukturellen Zonen, die nicht nur über Stunden, sondern über viele Tage oder gar Wochen hinweg aufgebaut und vom Markt respektiert wurden. Ein Bounce oder Breakout auf diesen höheren Zeitebenen hat ein enormes Gewicht und bietet oft das Potenzial für eine starke, mehrtägige oder gar mehrwöchige Trendbewegung, die Hunderte von Pips umfassen kann. Die Zonen sind extrem stabil, und das Rauschen des Intraday-Handels wird fast vollständig herausgefiltert. Swing-Trader benötigen viel Geduld, da es manchmal Tage dauert, bis der Kurs eine solche Schlüsselzone erreicht. Wenn dies jedoch geschieht, fällt die Reaktion an der Zone oft deutlicher aus. Da Swing-Trader ihre Positionen zwingend über Nacht und häufig auch über das Wochenende halten, setzen sie sich bewusst dem Risiko von Kurslücken (Gaps) aus. Wenn am Wochenende unvorhergesehene fundamentale Nachrichten eintreffen (z.B. geopolitische Ereignisse), kann der Markt am Montag weit unter einer Unterstützung oder über einem Widerstand öffnen, was den regulären Stop-Loss nutzlos macht. Um dieses Übernacht-Risiko zu mitigieren, müssen Swing-Trader ihre Positionsgröße entsprechend anpassen und ihr Risiko pro Trade konservativ kalkulieren. Sie vertrauen auf die strukturelle Integrität des 4h-Charts, bei dem eine einmal gebrochene Zone oft wochenlang als neuer Support oder neue Resistance fungiert.

Zonen im Position-Trading

Das Position-Trading agiert auf den höchsten verfügbaren Zeitebenen, primär dem 12-Stunden- und Tageschart (1d). Die hier identifizierten Unterstützungs- und Widerstandszonen sind von gigantischer Ausprägung. Sie repräsentieren historische Makro-Niveaus, die oft seit vielen Monaten oder gar seit mehreren Jahren intakt sind. Ein Bruch einer solchen mehrjährigen Makro-Zone ist ein extrem seltenes, historisch bedeutsames Ereignis, das fast immer von tektonischen fundamentalen Verschiebungen getrieben wird – etwa einem Wechsel in der Zinspolitik einer Notenbank oder einer tiefgreifenden makroökonomischen Krise. Wenn eine solche Zone bricht, wird oft der Grundstein für einen jahrelangen neuen Trend gelegt. Positionstrader nutzen diese Zonen, um sich langfristig in einem Markt zu positionieren. Der Stop-Loss ist hier zwangsläufig extrem weit entfernt platziert (oft Hunderte von Pips unterhalb der Support-Zone), was eine entsprechend drastisch reduzierte Positionsgröße erfordert, um das prozentuale Risiko auf das Gesamtkapital im Rahmen zu halten. Die Haltedauer erstreckt sich über Wochen bis Monate. Kurzfristige Bounces interessieren den Positionstrader nicht; er sucht nach den massiven strukturellen Wendepunkten. Das Übernacht-Risiko ist hier allgegenwärtig, wird aber durch die kleine Positionsgröße und die schiere Distanz zum Stop-Loss abgefedert.

StilZeitebeneHaltedauerRisiko für FehlausbrücheÜbernacht-Risiko
Scalping15m, 30mMinuten bis StundenSehr hoch (Rauschen)Keines
Daytrading1h, 2hInnerhalb eines TagesModeratKeines
Swing-Trading4h, 8hTage bis WochenGeringer, saubere StrukturHoch (Gaps möglich)
Position-Trading12h, 1dWochen bis MonateSehr geringSehr hoch (Makro-Schocks)

Mehrere Zeitebenen im Einklang

Ein Ausbruch durch einen Widerstand oder der Abprall an einer Unterstützung darf niemals isoliert betrachtet werden, sondern ist immer im Kontext der übergeordneten Zeitebene zu betrachten, was in der Methodik festgeschrieben ist.

Bricht der Kurs beispielsweise im 1-Stunden-Chart schwungvoll über einen lokalen Widerstand aus, signalisiert dies zweifellos kurzfristige Stärke und bullisches Momentum. Befindet sich der Kurs jedoch auf dem 4-Stunden-Chart oder gar dem Tageschart direkt unterhalb einer noch massiveren, historischen Widerstandszone und bewegt sich übergeordnet in einem intakten Abwärtstrend, ist der scheinbar bullische 1h-Ausbruch mit allerhöchster Vorsicht zu genießen. Oftmals handelt es sich hierbei nur um ein kurzes Aufbäumen innerhalb einer größeren Korrektur, und der Preis wird an der Makro-Zone rücksichtslos wieder nach unten abverkauft, was den 1h-Ausbruch zu einer teuren Bullenfalle (Fakeout) macht.

Das Cockpit zeigt dazu den Trend auf allen acht Zeitebenen. So sehen Sie auf einen Blick, ob ein kurzfristiger Breakout auf dem 1h-Chart durch den langfristigen Trend gestützt wird (und somit hohes Potenzial hat) oder ob er isoliert gegen die übergeordnete Marktdynamik ankämpft.

Nachrichtenlage und Termine (Fundamentals)

Selbst die historisch robusteste und offensichtlichste Unterstützungszone bietet absolut keinen sicheren Halt, wenn plötzlich fundamentale Überraschungen oder Schocks den Markt treffen. Bei wichtigen, vorab bekannten Wirtschaftsterminen – wie den Arbeitsmarktdaten (NFP) in den USA, unerwarteten Inflationsberichten, Zinsentscheidungen der großen Zentralbanken oder geopolitischen Eskalationen – kommt es innerhalb von Sekundenbruchteilen zu extremer Volatilität und massiven Kurslücken (Gaps).

Solche gewaltigen fundamentalen Ereignisse können die wichtigsten technischen Niveaus ohne jeden nennenswerten Gegendruck durchschlagen, als ob sie gar nicht existieren würden. Noch gefährlicher: Bei solch extremen Marktbewegungen kann die Liquidität kurzzeitig völlig austrocknen, wodurch reguläre Stop-Loss-Orders gnadenlos übersprungen werden. Der Kurs wird dann erst zum nächstbesten, oft weit entfernten Preis ausgeführt, was zu erheblicher Slippage und Verlusten weit jenseits des geplanten Risikos führt.

Ein technischer "Ausbruch", der exakt in der Minute einer wichtigen Nachrichtenveröffentlichung stattfindet, ist nahezu immer rein fundamental getrieben, von Algorithmen befeuert und aus technischer Sicht extrem unzuverlässig und schwer handelbar (sogenanntes News-Rauschen). Erfahrene Trader passen ihr Verhalten deshalb rigoros an: Sie reduzieren ihr Risiko bereits Stunden vor solchen Terminen drastisch oder schließen offene Positionen vollständig, um nicht in ein reines Glücksspiel verwickelt zu werden. Sie warten die Veröffentlichung und die erste wilde Marktreaktion geduldig ab und prüfen, wo die Kerze auf der höheren Zeitebene (z.B. dem 1h- oder 4h-Chart) nach dem Sturm tatsächlich schließt. Ein Ausbruch muss sich immer erst beruhigen und durch einen soliden Kerzenschluss bestätigen.

Prüfen Sie deshalb unbedingt vor jedem Trade den FinScans-Wirtschaftskalender und vertiefen Sie Ihr Wissen im Bereich News-Trading, um zu vermeiden, dass Sie eigentlich saubere horizontale Zonen blindlings in einem fundamentalen Orkan handeln.

Beispiel für Einstieg, Stop und Ziel

Um die Theorie greifbar zu machen, stellen Sie sich folgendes konkretes Szenario vor: Der Kurs des Währungspaares EUR/USD pendelt seit mehreren Tagen in einer klaren Spanne zwischen einer massiven Unterstützung bei exakt 1,1000 und einem starken Widerstand bei 1,1100. Nun nähert sich der Kurs im 4-Stunden-Chart (4h) erneut der unteren Begrenzung. Er berührt die 1,1000er-Marke, bildet eine markante Umkehrkerze (z.B. einen Pinbar oder Hammer) und prallt sauber nach oben ab. Auf der Signalseite erscheint „Support Level Retreat Up“.

Einstieg: Sie warten den endgültigen Schluss der 4h-Kerze ab, um den Abprall zu bestätigen, und steigen nach der Bestätigung bei 1,1020 ein. Stop-Loss: Den Stop-Loss platzieren Sie auf 1,0970. Das ist ausreichend weit unterhalb der psychologischen 1,1000er-Zone und unter dem Docht der Umkehrkerze, um nicht durch minimales Rauschen oder einen kurzen Fehlausbruch der Algorithmen ausgestoppt zu werden. Take-Profit (Ziel): Ihr primärer Zielbereich ist der altbekannte Widerstand an der oberen Begrenzung. Um sicherzugehen, dass Sie vor dem Eintreten neuen Verkaufsdrucks Ihre Gewinne sichern, setzen Sie das Take-Profit etwas konservativer, knapp unterhalb der Zone, auf 1,1090. Chance-Risiko-Verhältnis (CRV): Sie riskieren in diesem Trade 50 Pips (die Differenz von 1,1020 bis 1,0970). Im Gegenzug planen Sie einen Gewinn von 70 Pips (die Spanne von 1,1020 bis 1,1090). Dies entspricht einem mathematischen Chance-Risiko-Verhältnis von 1:1,4. Dieses Verhältnis ist eine rein mathematische Kalkulation zur Strukturierung Ihres Risiko-Managements vor Handelskosten wie Spread und Kommissionen und keine Vorhersage über den Erfolg des einzelnen Trades.

Den FinScans-Datenblock richtig deuten

Der folgende Block zeigt aktuelle Daten zu diesem Auslöser. Die Trefferquote (Hitrate) ist immer relativ zum globalen Durchschnitt zu sehen: Liegt sie darüber, hat dieser Auslöser einen statistischen Vorteil; liegt sie darunter, taugt er eher als Hinweis als als alleiniger Einstiegsgrund. Sie sehen auch, dass die Quoten je nach Handelsstil stark variieren können.

Das meldet die Maschine, das prüfen Sie selbst (Hybride Prüfliste)

Die Technologie von FinScans übernimmt die mühsame und fehleranfällige Arbeit für Sie: Die Server von FinScans suchen auf allen Forex- und Krypto-Paaren ununterbrochen nach Auslösern; den Trend berechnen sie auf acht Zeitebenen von 15m bis 1d. Doch um nicht blindlings in algorithmische Fallen oder fundamentale Fehlsignale zu laufen, ist es unerlässlich, das Konzept des Hybrid-Trading konsequent anzuwenden. Wenn auf der Signalseite ein neuer Auslöser erscheint, gehen Sie diese hybride Prüfliste durch, bevor Sie den Trade platzieren:

  1. Kontext der Zone: Ist das gemeldete Preisniveau historisch wirklich bedeutsam und logisch nachvollziehbar, oder handelt es sich nur um einen unsauberen Zufallstreffer im luftleeren Raum?
  2. Qualität der Bestätigung: Schließt die entscheidende Signalkerze wirklich kraftvoll und deutlich über dem Widerstand (beim Breakout), oder wurde sie im Gegenteil massiv zurückgewiesen und hinterlässt nur einen langen Docht (beim Bounce)?
  3. Zusammenfluss (Confluence): Fällt die getroffene horizontale Zone zufällig mit einer starken diagonalen Trendlinie, einem wichtigen gleitenden Durchschnitt (Moving Average) oder einem Fibonacci-Level zusammen? Solche Überschneidungen verstärken die Zone massiv!
  4. Nachrichten-Check: Stehen im Wirtschaftskalender in den nächsten ein bis zwei Stunden Termine mit hoher Bedeutung an, die das technische Bild komplett zerstören könnten?
  5. Zeitebenen-Konflikt: Läuft der gemeldete Signal-Bruch aggressiv gegen den intakten Trend der übergeordneten höheren Zeitebene?
  6. Die finale Freigabe: Nur wenn das Setup makellos aussieht, der Trend Sie unterstützt und der Stop-Loss logisch, sicher und mit einem angemessenen CRV platziert werden kann, erteilen Sie dem Markt die Freigabe und eröffnen den Trade.

Häufige Fragen

Was ist ein Fakeout (Fehlausbruch)?

Ein Fehlausbruch (oft als Fakeout oder Bull-/Bear-Trap bezeichnet) tritt auf, wenn der Kurs kurzzeitig dynamisch über einen Widerstand oder unter eine Unterstützung ausbricht. Er bildet dort vielleicht sogar neue lokale Hochs oder Tiefs, was viele impulsive Händler in den Markt lockt. Dann aber fällt der Preis plötzlich und mit enormer Wucht wieder in die alte Handelsspanne zurück. Dieses Verhalten wird sehr oft bewusst von institutionellen Akteuren genutzt, um die Liquidität der ausgestoppten Privatanleger abzugreifen, bevor sie den Markt in die entgegengesetzte Richtung treiben.

Fehlausbruch (Fakeout) am Widerstand. Der Kurs bricht kurzzeitig nach oben aus, fällt dann aber rasch wieder in die Spanne zurück.Fehlausbruch1. Apr4. Apr7. Apr10. Apr13. Apr16. Apr19. Apr22. Apr99.50102.50105.00107.50110.00112.50
Fehlausbruch (Fakeout) am Widerstand. Der Kurs bricht kurzzeitig nach oben aus, fällt dann aber rasch wieder in die Spanne zurück.

Sollte man Unterstützungszonen exakt am Docht oder am Kerzenkörper zeichnen?

Es gibt unter Analysten keine absolut starre, in Stein gemeißelte Regel, aber in der Praxis sind horizontale Unterstützungen und Widerstände immer ausgedehnte Zonen (Bereiche) und niemals mikrometergenaue, exakte Linien. Sehr erfahrene Händler markieren den gesamten Bereich vom extremsten äußeren Docht (Wick) bis hin zur konzentrierten Masse der Kerzenkörper als eine einzige, zusammenhängende Reaktionszone. Solange der Kurs in diesem Bereich dreht, ist die Zone intakt.

Wie oft kann eine Unterstützung getestet werden, bevor sie endgültig bricht?

Dafür existiert keine fixe mathematische Formel, doch das Grundprinzip lautet: Je öfter eine Zone in kurzer Zeit getestet wird, desto mehr absorbiert der Markt die dort liegenden offenen Aufträge (Kauf- oder Verkaufslimits). Man kann es sich vorstellen wie eine Holztür, gegen die ein Rammbock schlägt. Irgendwann ist die Liquidität (das Holz) auf diesem Niveau vollständig erschöpft. Die Wahrscheinlichkeit eines definitiven Bruchs steigt mit jedem weiteren, rasch aufeinanderfolgenden Test deutlich an.

Warum wird ein durchbrochener Widerstand so oft zu einer neuen Unterstützung?

Das ist eine rein psychologische Reaktion des Marktes, getrieben von Bedauern und Positionierung. Trader, die den profitablen Ausbruch nach oben verpasst haben, lauern verzweifelt auf einen Rücksetzer, um zu einem günstigen Preis (dem exakten Level des alten Widerstands) doch noch einsteigen zu können. Gleichzeitig nutzen Verkäufer (Short-Seller), die auf dem falschen Fuß erwischt wurden, exakt dieses Niveau, um mit +- Null (Break-Even) aus ihren schmerzhaften Verlustpositionen herauszukommen. Die Aktionen beider Seiten erzeugen massiven Kaufdruck an genau dieser Linie.

Sind horizontale Preiszonen bei Kryptowährungen wie Bitcoin zuverlässig?

Grundsätzlich ja, denn die elementaren Prinzipien von Angebot und Nachfrage greifen auch im dezentralen Krypto-Markt uneingeschränkt. Durch die teils extrem viel geringere Liquidität bei kleineren Altcoins und den permanenten 24/7-Handel fallen die Reaktionen an diesen Zonen aber oft weitaus unsauberer und wilder aus. Es entstehen sehr häufig extrem lange Dochte (Wicks), die Privatanleger ausstoppen. Es ist daher zwingend erforderlich, den Zonen im Krypto-Trading deutlich mehr Toleranzraum einzuräumen, die Volatilität einzukalkulieren und Stops keinesfalls zu knapp an die Linien zu pressen.

Quellen

  • Murphy, John J.: Technische Analyse der Finanzmärkte. Grundlagen, Strategien, Methoden, Anwendungen. FinanzBuch Verlag.
  • Bulkowski, Thomas N.: Encyclopedia of Chart Patterns. Wiley Trading.
  • Sperandeo, Victor: Trader Vic - Methods of a Wall Street Master. John Wiley & Sons.

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