Kerzenmuster

Hammer und Hanging Man: Erkennung, Varianten und Trading-Strategien

Kurz erklärt

Hammer und Hanging Man sind dieselbe Kerze an verschiedenen Stellen: ein kleiner Körper oben, ein langer unterer Docht, kaum ein oberer. Nach einem Abwärtstrend heißt sie Hammer und deutet auf eine Wende nach oben, nach einem Aufwärtstrend Hanging Man und warnt vor einer Wende nach unten. FinScans meldet auf den Forex- und Krypto-Paaren drei Auslöser: „Hammer“, „Hanging Man“ und „Takuri Line“.

Was sind Hammer und Hanging Man?

Hammer und Hanging Man sind klassische Ein-Kerzen-Umkehrmuster aus der japanischen Candlestick-Analyse. Beide besitzen exakt dieselbe äußere Gestalt mit einem kleinen Körper am oberen Ende und einem langen unteren Schatten. Ob die Kerze auf steigende oder fallende Kurse hindeutet, entscheidet allein der vorangegangene Trend im Chart.

Der Name beschreibt, was die Kerze zeigt: Der Markt „hämmert“ einen Boden aus; die Verkäufer drücken den Kurs tief, doch bis zum Schluss holen die Käufer fast alles zurück. Hammer, Hanging Man und Takuri Line hat Steve Nison in Japanese Candlestick Charting Techniques (1991) für den Westen beschrieben.

In der praktischen Chartanalyse gehören beide Figuren zu den bekanntesten Vertretern der Candlestick-Muster. Während der Hammer nach einer Talfahrt das Interesse der Käufer aufzeigt, mahnt der Hanging Man nach einem Anstieg zur Vorsicht, weil erste Verkäufer den Markt testen.

Wie erkennt man einen Hammer?

Ein Hammer oder Hanging Man lässt sich im Chart anhand der klaren Proportionen zwischen dem echten Kerzenkörper und den beiden Schatten identifizieren. Entscheidend ist dabei nicht nur die einzelne Kerze selbst, sondern auch ihre Lage am Ende einer deutlich ausgeprägten Aufwärts- oder Abwärtsbewegung.

  • Der Körper ist klein und liegt im oberen Teil der Kerzenspanne; seine Farbe ist nach Nison nicht entscheidend.
  • Der untere Docht ist mindestens doppelt so lang wie der Körper.
  • Einen oberen Docht gibt es nicht oder nur einen sehr kurzen.
  • Vor der Kerze läuft ein erkennbarer Trend: beim Hammer ein Abwärtstrend, beim Hanging Man ein Aufwärtstrend.
  • Beim Hanging Man ist eine Bestätigung besonders wichtig, etwa ein Schluss der nächsten Kerze unter seinem Körper.

Ein grüner Kerzenkörper beim Hammer bekräftigt leicht den bullischen Eindruck, während ein roter Körper beim Hanging Man die bärische Warnung optisch unterstreicht; Pflicht für ein gültiges Muster ist die Farbe jedoch nicht.

Was steckt hinter dem Hammer?

Hinter der markanten Form mit dem tief reichenden unteren Schatten steht ein intensiver Stimmungsumschwung innerhalb einer einzelnen Handelsperiode. Nach der Eröffnung dominiert zunächst der Verkaufsdruck und drückt den Preis kräftig nach unten, bevor entschlossene Käufer eingreifen und den Kurs bis zum Periodenschluss wieder nach oben ziehen.

Entsteht dieses Muster nach einem längeren Abwärtstrend als Hammer, zeigt der lange untere Docht, dass die Bären zwar noch einmal ein neues Tief erzwungen haben, dieses Niveau aber nicht halten konnten. Die späte Gegenwehr der Bullen schwächt das bärische Lager und kann der Beginn einer Bodenbildung sein.

Tritt dieselbe Kerze hingegen nach einem ausgeprägten Aufwärtstrend als Hanging Man auf, offenbart der tiefe Einbruch während der Laufzeit, dass Verkäufer erstmals wieder kräftig auftreten. Selbst wenn die Käufer den Kurs bis zum Schluss noch einmal hochziehen, ist der bisherige Aufwärtsschwung angezählt; fällt der Kurs in der Folgekerze unter den Körper, sitzen späte Käufer im Verlust.

Welche Arten gibt es?

In der technischen Analyse werden anhand der vorherrschenden Trendrichtung und der genauen Länge des unteren Dochtes drei eng verwandte Ausprägungen unterschieden. Hinzu kommt die klare geometrische Abgrenzung gegenüber den spiegelbildlichen Kerzenformen, bei denen der lange Schatten nach oben statt nach unten weist.

Hammer

Der klassische Hammer bildet sich am unteren Ende einer Abwärtsbewegung. Sein kleiner Körper am oberen Rand und der mindestens doppelt so lange untere Schatten zeigen, dass ein Ausverkauf im Verlauf der Kerze abgefangen wurde. Schließt die darauffolgende Kerze über seinem Hoch, ist der Hammer bestätigt.

Hanging Man

Der Hanging Man erscheint nach einem deutlichen Kursanstieg und teilt sich die äußere Form mit dem Hammer. Weil der Markt zuvor bereits gestiegen ist, wirkt der lange untere Docht hier als Warnsignal für nachlassende Kaufkraft. Erst wenn die nächste Kerze unter dem Körper des Hanging Man schließt, überwiegt die bärische Aussage.

Takuri Line

Die Takuri Line ist ein Hammer mit besonders langem unterem Docht, mindestens dreimal so lang wie der Körper; sie zeigt eine noch deutlichere Ablehnung tieferer Kurse. Der Ausdruck stammt aus dem Japanischen und lässt sich sinngemäß mit dem Ausloten der Wassertiefe durch Abtasten des Grundes übersetzen.

Abgrenzung zum umgekehrten Hammer

Steht der Körper unten und der lange Docht oben, ist es keine Variante des Hammers, sondern ein umgekehrter Hammer oder eine Sternschnuppe; diese Kerzen erklärt die Seite zu Shooting Star und umgekehrtem Hammer. Trotz ähnlicher Namen ist die Marktpsychologie während der Kerzenbildung dort genau umgekehrt.

VarianteVorheriger TrendLage des KörpersUnterer DochtSignalwirkung
HammerAbwärtstrendIm oberen Teil der SpanneMindestens 2× KörperMögliche Wende nach oben
Hanging ManAufwärtstrendIm oberen Teil der SpanneMindestens 2× KörperWarnung vor Wende nach unten
Takuri LineAbwärtstrendIm oberen Teil der SpanneMindestens 3× KörperStarke Ablehnung tieferer Kurse
Umgekehrter HammerAbwärtstrendIm unteren Teil der SpanneKaum vorhanden (Docht oben)Eigenes Muster (siehe Nachbarseite)

Wann bestätigt sich ein Hammer, wann nicht?

Ein Hammer bestätigt sich, sobald die darauffolgende Kerze über dem Hoch der Musterkerze schließt und damit zeigt, dass die Käufer am Ball bleiben. Beim Hanging Man liegt die Bestätigung vor, wenn die Folgekerze unter seinem Körper schließt; schließt der Kurs stattdessen über seinem Hoch, ist das Warnsignal hinfällig.

Besonders beim Hanging Man ist Geduld gefragt, denn in einem kräftigen Aufwärtstrend wird ein einzelner Rücksetzer innerhalb einer Kerze oft sofort wieder gekauft. Wer allein wegen der Kerzenform ohne Bestätigung gegen den Trend verkauft, stellt sich gegen eine intakte Aufwärtsbewegung.

Fehlsignal beim „Hanging Man“: Statt zu fallen, schließt der Kurs kurz darauf über dem Hoch der Kerze, und der Aufwärtstrend läuft weiter. Ohne bärische Bestätigung bleibt der Hanging Man eine Warnung, kein Signal.Hanging Man6. Mär10. Mär14. Mär18. Mär22. Mär26. Mär30. Mär3. Apr115.30100.00105.00110.00
Fehlsignal beim „Hanging Man“: Statt zu fallen, schließt der Kurs kurz darauf über dem Hoch der Kerze, und der Aufwärtstrend läuft weiter. Ohne bärische Bestätigung bleibt der Hanging Man eine Warnung, kein Signal.

Im Fehlsignal-Chart zeigt sich genau dieses Verhalten: Nach einem stetigen Anstieg bildet sich ein Hanging Man, doch der Verkaufsdruck findet in den nächsten Kerzen keine Fortsetzung. Zwei Kerzen später schließt der Kurs bei 108,90 über dem Hoch des Hanging Man von 107,60; damit ist die bärische Warnung ausgeräumt, und der Aufwärtstrend setzt sich fort.

Beispiel für Einstieg, Stop und Ziel

Ein planmäßiger Trade mit dem Hammer knüpft den Einstieg an die Bestätigung durch die Folgekerze und sichert die Position unter dem markanten Docht ab. Da der untere Schatten die Zone markiert, in der die Käufer den Markt gedreht haben, liefert das Tief der Kerze einen sachlich begründeten Punkt für die Verlustbegrenzung.

Das folgende Diagramm zeigt das Zusammenspiel aus vorangehendem Rückgang, Musterkerze, Bestätigung und anschließendem Anstieg bis zum vorherigen Zwischenhoch:

Nach einem Abwärtstrend entsteht ein Hammer mit kleinem Körper oben und langem unterem Docht („Hammer“). Die nächste Kerze schließt über seinem Hoch, danach steigt der Kurs bis zum Zwischenhoch.ZwischenhochHammer7. Mär12. Mär17. Mär22. Mär27. Mär1. Apr6. Apr106.80107.6092.5095.0097.50100.00102.50105.00110.00
Nach einem Abwärtstrend entsteht ein Hammer mit kleinem Körper oben und langem unterem Docht („Hammer“). Die nächste Kerze schließt über seinem Hoch, danach steigt der Kurs bis zum Zwischenhoch.

Im Chart fällt der Kurs über mehrere Kerzen. Die Musterkerze eröffnet bei 95,80, fällt bis 93,80 und schließt bei 96,40; ihr unterer Docht ist 2,00 Punkte lang, der Körper nur 0,60 Punkte. Ein Händler wartet die nächste Kerze ab: Sie schließt bei 97,60 über dem Hoch des Hammers, und er kauft zum Schlusskurs. Den Stop setzt er knapp unter das Tief des Hammers, bei 93,70; das Risiko beträgt 3,90 Punkte. Ziel ist das Zwischenhoch bei 106,80, an dem der Abwärtstrend begann; der Kurs erreicht es nach 9 Kerzen, das sind 9,20 Punkte. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von rund 1:2,4.

Wie nutzt man Hammer und Hanging Man auf mehreren Zeitebenen?

Der Blick auf mehrere Zeitebenen trennt zufällige Kerzenformen im kurzfristigen Rauschen von relevanten Wendepunkten im größeren Bild. Ein Hammer auf einer kleineren Zeitebene gewinnt deutlich an Gewicht, wenn er das Ende einer Korrektur innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends markiert und an einer wichtigen Zone im höheren Chart auftritt.

Zeigen beispielsweise der 4h- und der 1d-Chart einen klaren Aufwärtstrend, während der Kurs auf dem 1h-Chart über mehrere Stunden zurücksetzt und dort einen Hammer ausbildet, weist die Musterkerze in Richtung der Hauptbewegung. Steht ein Hammer auf dem 1h-Chart hingegen gegen einen steilen Abwärtstrend auf den höheren Zeitebenen, bleibt die Erholung oft nach wenigen Kerzen stecken. Den Trend über die acht Zeitebenen zeigt FinScans auf der Signalseite und im Cockpit.

Wie beeinflussen Nachrichten und Termine Hammer und Hanging Man?

Wirtschaftsdaten und geldpolitische Entscheidungen können kurzfristig lange Kerzendochte erzeugen, die äußerlich wie ein Hammer oder Hanging Man wirken, aber lediglich auf die erste Schwankung nach einer Meldung zurückgehen. Händler prüfen deshalb vor einem Einstieg den Wirtschaftskalender, um eine Nachrichtenkerze nicht mit einer echten Trendwende zu verwechseln.

Steht im Wirtschaftskalender eine Zinsentscheidung oder ein Arbeitsmarktbericht unmittelbar bevor, weiten sich die Handelsspannen oft sprunghaft aus. Ein langer unterer Docht kurz vor oder während einer solchen Veröffentlichung kann allein aus der ersten Reaktion auf die Zahlen entstehen und sagt dann wenig über die Richtung danach. Wer zusätzlich die Nachrichtenlage im Cockpit einbezieht, sieht, ob ein scheinbarer Hammer in eine Phase mit wichtigen Meldungen fällt.

Wie setzt man Hammer und Hanging Man in den vier Handelsstilen ein?

Je nach gewähltem Handelsstil und betrachteter Zeitebene verändert sich die Rolle, die eine einzelne Kerze mit langem unterem Schatten im Handelsplan einnimmt. Während auf sehr kurzen Intervallen die Filterung von Zufallsschwankungen im Vordergrund steht, dient die Kerze auf Tagesbasis eher als Baustein für die übergeordnete Lagebeurteilung.

Hammer und Hanging Man im Scalping

Beim Scalping auf dem 15m- und 30m-Chart entstehen Kerzen mit langem unterem Docht häufig, etwa wenn eine kurze Verkaufswelle sofort aufgefangen wird; viele davon haben keinen Trend davor und damit wenig Aussagekraft. Auf diesen kurzen Zeitebenen genügt oft schon eine einzelne größere Order im Markt, um den Kurs kurz nach unten zu drücken und bis zum Kerzenschluss wieder zurückzuholen. Scalper gleichen die Kerze deshalb immer mit dem 1h- oder 2h-Chart ab und achten darauf, ob dort eine klare Richtung vorliegt. Sinnvoll ist ein Einstieg vor allem dann, wenn der untere Docht ein markantes Sitzungstief oder eine bekannte Unterstützungszone testet und die nächste Kerze sofort über dem Hoch schließt. Da die Haltedauer nur wenige Minuten bis einige Stunden beträgt und die Kursziele eng gesteckt sind, fallen Spread und Slippage stark ins Gewicht. Gehandelt wird bevorzugt während der liquiden Sitzungen in London und New York; vor dem Ende der Sitzung werden offene Positionen glattgestellt, sodass kein Übernacht-Risiko entsteht.

Hammer und Hanging Man im Daytrading

Im Daytrading auf dem 1h- und 2h-Chart zeigt ein Hammer oft, dass ein Rückgang innerhalb des Tages an einer Unterstützung aufgefangen wurde, und die Positionen werden vor Handelsschluss geschlossen. Zur Einordnung der übergeordneten Richtung ziehen Daytrader den 4h- oder 8h-Chart heran. Bildet sich nach einem mehrstündigen Rücksetzer während der Sitzung in London oder beim Übergang zur Sitzung in New York ein sauberer Hammer oder eine Takuri Line, deutet der lange untere Schatten darauf hin, dass kurzfristige Verkäufer abgelöst wurden. Der Einstieg erfolgt nach dem Schluss der Bestätigungskerze, während der Stop knapp unter die Spitze des unteren Dochtes gelegt wird. Ist der Docht ungewöhnlich lang, vergrößert sich allerdings der Abstand zum Stop, was bei gleichem Risiko eine kleinere Positionsgröße erfordert und das Verhältnis zum Tagesziel verschlechtern kann. Entsteht ein Hammer oder Hanging Man erst gegen Ende der Sitzung in New York, verzichten viele Daytrader auf einen neuen Trade, weil für Bestätigung und Kursziel vor dem Tagesende kaum noch Raum bleibt.

Hammer und Hanging Man im Swing-Trading

Beim Swing-Trading auf dem 4h- und 8h-Chart halten Trader Positionen über Tage bis wenige Wochen; ein Hammer am Ende eines mehrtägigen Rückgangs ist hier ein typischer Hinweis auf eine Gegenbewegung. Den Rahmen liefern der 12h- und der 1d-Chart, auf denen die großen Trendabschnitte und Schlüsselzonen liegen. Weil eine einzelne 4h- oder 8h-Kerze einen beträchtlichen Teil des Handelstages zusammenfasst, steckt hinter ihrem langen unteren Docht eine deutlich breitere Marktreaktion als auf Minutencharts. Bestätigt die Folgekerze einen Hammer an einer übergeordneten Unterstützungszone im Bereich früherer Wendepunkte, nutzen Swing-Trader dies oft für den Einstieg in Richtung des Haupttrends. Der Stop unter dem Tief der Musterkerze lässt normalen untertägigen Schwankungen genügend Spielraum. Da die Positionen über mehrere Tage und oft auch über das Wochenende gehalten werden, müssen Übernacht-Risiken sowie mögliche Wochenend-Lücken bei Devisen eingeplant werden, während Kryptowährungen durchgängig gehandelt werden; der tägliche Zeitaufwand beschränkt sich dafür auf feste Prüftermine beim Kerzenwechsel. Steigt der Kurs nach dem Hammer über das letzte Zwischenhoch des Rückgangs, ziehen viele Swing-Trader den Stop vom Tief des Hammers unter das neue, höhere Zwischentief nach.

Hammer und Hanging Man im Position-Trading

Im Position-Trading auf dem 12h- und 1d-Chart dauern Trades Wochen bis Monate; ein Hammer oder Hanging Man auf dem Tageschart ist hier ein Anlass, die Lage zu prüfen, aber selten allein ein Grund für einen Einstieg. Eine höhere Zeitebene als 1d gibt es bei FinScans nicht; zur Einordnung dient deshalb der Verlauf des 1d-Charts über mehrere Monate. Wenn der Markt nach einem mehrwöchigen Abwärtstrend auf einer wichtigen Mehrjahres- oder Mehrmonatszone eine Tageskerze mit langem unterem Schatten und kleinem oberen Körper ausbildet, zeigt dies erste Kaufbereitschaft auf diesem Preisniveau. Position-Trader warten in einem solchen Fall fast immer auf den Schluss der nächsten Tageskerze und prüfen zugleich, ob die makroökonomischen Rahmenbedingungen eine Trendwende stützen. Umgekehrt gibt ein bestätigter Hanging Man nach einer langen Rallye Anlass, bestehende Gewinne durch das Nachziehen des Stops abzusichern oder Teilverkäufe vorzunehmen. Die Stops liegen weit vom Einstieg entfernt, weshalb Wochenend-Lücken und Zinsentscheide über eine entsprechend angepasste Positionsgröße abgefedert werden.

StilZeitebenehöhere ZeitebeneHaltedauerworauf achten
Scalping15m, 30m1h, 2hMinuten bis einige StundenRauschen, Spread
Daytrading1h, 2h4h, 8hinnerhalb des TagesHandelssitzungen, Termine
Swing4h, 8h12h, 1dTage bis wenige WochenÜbernacht-Risiko
Position12h, 1d1d über mehrere MonateWochen bis MonateWochenend-Lücken, Makrodaten

Hammer oder Libellen-Doji?

Beide Kerzenformen zeichnen sich durch einen langen unteren Schatten und das Fehlen eines nennenswerten oberen Dochtes aus, wodurch sie im Chart dieselbe Grundaussage einer abgelehnten Abwärtsbewegung teilen. Der Unterschied liegt im Abstand zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs am oberen Rand der Spanne.

Ein Doji mit langem unterem Docht, die Libelle (Dragonfly Doji), sieht einem Hammer ähnlich; beim Doji liegen Eröffnung und Schluss aber auf gleicher Höhe, beim Hammer gibt es einen kleinen Körper. Nach einem Abwärtstrend lesen viele Händler beide Kerzen ähnlich und warten in beiden Fällen darauf, dass die nächste Kerze über dem Hoch schließt.

MerkmalHammerLibellen-Doji (Dragonfly Doji)
KerzenkörperKleiner Körper im oberen Teil der SpanneKein Körper (Eröffnung und Schluss fast gleich)
Unterer DochtMindestens doppelt so lang wie der KörperLang, macht fast die gesamte Kerzenspanne aus
Oberer DochtNicht vorhanden oder sehr kurzNicht vorhanden oder minimal
Aussage nach AbwärtstrendVerkäufer abgewiesen, mögliche Wende nach obenVerkäufer abgewiesen, Schluss wieder auf dem Eröffnungskurs; mögliche Wende nach oben
BestätigungSchluss der nächsten Kerze über dem HochSchluss der nächsten Kerze über dem Hoch

Welche Fehler sind bei Hammer und Hanging Man typisch?

Viele Fehltrades entstehen, weil Händler allein auf die markante Form des langen unteren Dochtes achten und das Umfeld der Kerze vernachlässigen. Ohne vorherigen Trend, ohne Bestätigung und ohne Blick auf das Verhältnis zwischen Dochtlänge und Kursziel verliert das Muster seinen praktischen Wert.

  • Handeln ohne vorangehenden Trend: Eine hammerförmige Kerze inmitten einer flachen Seitwärtsbewegung hat keinen Trend, den sie umkehren könnte.
  • Hanging Man ohne Bestätigung leerverkaufen: In einem starken Aufwärtstrend werden kurze Rücksetzer häufig sofort wieder aufgekauft; ohne Schlusskurs unter dem Körper bleibt der Trend intakt.
  • Übergroße Dochte ungeprüft übernehmen: Ein extrem langer unterer Schatten vergrößert den Abstand zum Stop unter dem Tief erheblich und drückt das Chance-Risiko-Verhältnis.
  • Fehlender Bezug zu Schlüsselzonen: Entsteht ein Hammer im luftleeren Raum fernab jeder Unterstützung, fehlt ein sachlicher Anhaltspunkt dafür, warum der Markt gerade dort drehen sollte.
  • Missachtung der Positionsgröße: Wer den weiten Stop unter einem langen Hammerdocht mit derselben Stückzahl handelt wie einen engen Stop, verstößt gegen ein solides Risikomanagement.

Wie die Hammer-Auslöser in FinScans-Signalen heißen

Auf der Signalseite stehen diese Auslöser in der Tabelle der Auslöser, jeweils mit einem Pfeil: ▲ heißt, FinScans zählt den Auslöser zur bullischen Seite, ▼ zur bärischen. Es gibt drei Namen:

  • „Hammer“ (▲): Kleiner Körper oben, langer unterer Docht, kaum ein oberer Docht; nach dem Lehrbuch am Ende eines Abwärtstrends.
  • „Hanging Man“ (▼): Dieselbe Form; nach dem Lehrbuch am Ende eines Aufwärtstrends.
  • „Takuri Line“ (▲): Ein Hammer mit besonders langem unterem Docht, mindestens dreimal so lang wie der Körper.

Die Namen beschreiben die Lehrbuchform. Ob vor der Kerze wirklich ein Abwärtstrend (beim Hammer und der Takuri Line) oder ein Aufwärtstrend (beim Hanging Man) lief, zeigt der Name nicht; das prüfen Sie im Chart. Ohne vorangehenden Trend hat die Kerze wenig Aussagekraft.

Für Kerzenmuster zeigt die Signalseite keine Klasse. Ein solcher Auslöser steht selten allein: FinScans verrechnet ihn mit den anderen Auslösern desselben Signals zu einer Gesamtrichtung. Ob er mit oder gegen die übergeordnete Bewegung läuft, zeigen der Trend über die acht Zeitebenen und die Gesamt-Einschätzung.

Der folgende Block zeigt aktuelle Daten zu diesen drei Auslösern. Die Trefferquote ist immer relativ zum Durchschnitt zu sehen: Liegt sie darüber, hat der Auslöser einen statistischen Vorteil; liegt sie darunter, taugt er eher als Hinweis als als alleiniger Einstiegsgrund. Die Quoten können je Handelsstil stark variieren, weil auf kurzen Zeitebenen mehr Rauschen wirkt. Auch die Abstände von Ziel und Stopp spielen hinein: Ein enger Stopp wird öfter erreicht als ein weiter, ein fernes Ziel seltener als ein nahes.

Das meldet die Maschine, das prüfen Sie selbst

Auf der Signalseite erscheinen diese Auslöser für Forex- und Krypto-Paare; ihr Name sagt nur, welche Form die Kerze hat. Ob die gefundene Kerze jedoch an einer sinnvollen Stelle im Chart steht und ein tragfähiges Setup bietet, entscheiden Sie im Rahmen von Hybrid-Trading selbst.

  • Die Maschine meldet „Hammer“, „Hanging Man“ oder „Takuri Line“; Sie prüfen im Chart, ob vor der Kerze tatsächlich ein klarer Abwärts- bzw. Aufwärtstrend lief.
  • Die Signalseite zeigt den Auslöser; Sie warten ab, ob die nächste Kerze das Muster durch einen Schlusskurs über dem Hoch (beim Hammer) oder unter dem Körper (beim Hanging Man) bestätigt.
  • Die Maschine stellt den Trend über acht Zeitebenen bereit; Sie kontrollieren, ob der lange untere Docht eine markante Unterstützung testet (mehr dazu auf der Seite Unterstützung und Widerstand).
  • Der Datenblock nennt die bisherige Trefferquote; Sie prüfen im Wirtschaftskalender, ob der lange Schatten in die Zeit eines Termins wie einer Zinsentscheidung fällt.
  • Die Maschine liefert die Kerzendaten; Sie messen die Länge des unteren Dochtes und berechnen, ob bis zum nächsten Zwischenhoch ein vernünftiges Chance-Risiko-Verhältnis gemäß Ihrem Risikomanagement bleibt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hammer und Hanging Man?

Die Form ist dieselbe: kleiner Körper oben, langer unterer Docht, kaum ein oberer. Entscheidend ist der Trend davor. Nach einem Abwärtstrend heißt die Kerze Hammer und deutet auf eine mögliche Wende nach oben; nach einem Aufwärtstrend heißt sie Hanging Man und warnt vor einer möglichen Wende nach unten.

Wie zuverlässig ist ein Hammer?

Für sich allein ist ein Hammer nur ein Hinweis: Er zeigt, dass tiefere Kurse in dieser Kerze abgelehnt wurden. Aussagekräftiger wird er an einer wichtigen Unterstützung, mit einer Bestätigung durch die nächste Kerze und wenn die höheren Zeitebenen in dieselbe Richtung zeigen. Die bisherige Trefferquote der Auslöser zeigt der Datenblock auf dieser Seite.

Warum braucht der Hanging Man besonders dringend eine Bestätigung?

Beim Hanging Man herrscht bis zur Entstehung der Kerze ein Aufwärtstrend, und der Schlusskurs liegt trotz des zwischenzeitlichen Rücksetzers wieder nahe am Periodenhoch. Solange keine Folgekerze unter dem Körper des Hanging Man schließt, haben die Käufer das Geschehen weiter unter Kontrolle.

Welche Rolle spielt die Farbe des Kerzenkörpers beim Hammer?

Nach Steve Nison ist die Farbe des kleinen Körpers für die Gültigkeit des Musters nachrangig, weil das Verhältnis zwischen langem unterem Schatten und kleinem Körper im oberen Drittel den Ausschlag gibt. Ein grüner Körper beim Hammer gilt vielen Tradern dennoch als leichtes Plus, weil die Kerze dann zusätzlich über ihrer Eröffnung geschlossen hat.

Quellen

  • Nison, Steve: Japanese Candlestick Charting Techniques, New York Institute of Finance, 1991.
  • Morris, Gregory L.: Candlestick Charting Explained, McGraw-Hill, 2006.
  • Bulkowski, Thomas N.: Encyclopedia of Candlestick Charts, John Wiley & Sons, 2008.

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